Kollateralfarben


Gestaltung; oder dem Ernst des Lebens entgegentreten.

Deisgnblast 2011 — Recap

Also gestern war ja bekanntlich in Karlsruhe die Designblast 2011 mit dem Thema Toys, Tricks and Tools. Die HfG in Karlsruhe ist räumlich gesehen schon einfach super und ein großes Lob auch an alle, die das organisiert haben—ohne großes Tam Tam, aber trotzdem mit dem Flair eines wirklichen Symposiums (oder was auch immer). Da ich im letzten Veranstaltungsreview alles zusammengefasst habe und dann nicht dazu gekommen bin meine Gedanken dazu zu fassen, mach ich es jetzt anders.

Was ich an der Veranstaltung kritisieren kannn, was aber vielleicht ein Problem von Designkongressen allgemein ist, es werden Sprecher eingeladen und diese Stellen ihre Arbeiten vor und Gedanken sollen dann wohl aus der Zusammenstellung der Vortragenden entstehen. Es war einfach eine Sammlung von Gestaltern die spielen, tüfteln oder tricksen—wie der Titel schon sagt. Aber genau dabei ist es fast schon geblieben.

Designblast Bühne

Wirklich begeisternd waren die Arbeiten von Yuri Suzuki und Harrison—bzw. des Projektes, das er repräsentierte: Open Source Publishing. Suzuki beschäftigt sich unter anderem Musik, vor allem mit der Entwicklung von Musikträgern und hat dabei schon als Industrie Designer konzeptuell sehr spannende Objekte und Situationen geschaffen. Open Source Publishing (kurz OSP) ist ein Kollektiv von Grafik Designern, das nur freie Software, freie Schriften etc verwendet. Ausgehend von der Frage wie man kritische unabhängige Aussagen innerhalb eines Abhängigkeitsgeflechts von Software und Lizensen glaubhaft stellen kann, wagten Harrisson und seine »Mitstreiter« den Versuch: Ist es möglich als professioneller Grafik Designer zu arbeiten, wenn du nur freie Software und Schriften (F/LOSS) verwendest? Es funktioniert und es entsehen dadurch neue Situationen aus denen sich wiederum eigene Konzepte und Ästhetik entwickeln.

Zur Prodiumsdiskussion am Enden waren leider nur noch gut ein Fünftel der Besucher anwesend und wir haben sie auch nicht mehr ganz zu Ende verfolgt. Leider wurde das eigentliche Thema der Veranstaltung wenig bearbeitet sondern viel mehr zwischen ständig neuen Fragen umher gesprungen. Es hätte wahrscheinlich entweder vom Podium runter als Diskussion mit dem Publikum (was bei den wenigen Leuten durchaus funktioniert hätte) oder thematisch von den Moderatoren mehr geführt werden müssen. Stattdessen blieben die Redner selbst zum Teil etwas Still und das Ganze hat sich in eine sehr selbstreferentielle Richtung mit Kommentaren zu Letraset Bögen und Spirographen entwickelt, zu mindest in dem Teil davon den wir mitbekommen haben.

Nichts desto trotz war es wirlich eine gute Veranstaltung und es hat definitiv motiviert und es haben sich Themenkomplexe, derer alle der Redner sich bedienen herausgebildet, die aber einfach nicht so leicht greifbar bzw. erklärbar waren. Ein Kernthema war die Arbeit mit aleatorischen Designprozessen, also das Setzen von eigener Regeln, innerhalb derer per Zufall Ergebnisse produziert werden.

Abschließend noch eine Frage die sich mir stellt. Sind Symposien, Konferenzen oder Ähnliches die Form in der man diese Art von Prozessen vorstellen sollte? Es ging um Tricks und Spielzeug und Werkzeuge, aber die Form war sehr klassisch. Ich frage mich welche Vortrags-Methoden besser für so etwas geeignet sind? Mehr Gespräch und mehr direkter Kontakt, oder vielleicht mehr These als Beispiele. Das bezieht sich weniger nur auf diese Veranstaltung, sondern viel mehr auf die wachsende Anzahl an Design Projekten, die sich damit aueinander setzen (interdisziplinär) »kreative« Situationen zu schaffen. Beispiele dafür sind die wachsende Zahl an selbst initiierten Workshops, Self-Publishing und ähnliches. Vielleicht müssen wir uns in diesem Zug überlegen wie wir uns selbst vor uns selbst repräsentieren, ohne dass es zu einem reinen Treffpunkt ohne Lernprozess wird.

Schönes Wochenende wünsch ich!

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Über mich

Ich bin Jan Aulbach, ein Gestalter, Student aus Darmstadt in Hessen, wo ich lebe und arbeite.

Zu den Dingen, die mich interessieren zähle ich gute Typografie, schöne gedruckte Dinge wie Bücher und Zeitschriften und Fehler in Systemen.

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