Kollateralfarben


Gestaltung; oder dem Ernst des Lebens entgegentreten.

Ein Blick jenseits des Dilemmas

jenseitsdesdilemmas

 

Ständig greife ich mir an den Kopf und wundere mich, was wir da machen (»wir« = Gestalter, Designer). Unmengen an Stilen, visuelle Sprachen/Dialekten, die sich zitieren, unterwandern, mit sich kokettieren, sich nicht so ernst nehmen, den Betrachter auf die Schippe nehmen, ganz individuell sein wollen und dabei im Ende immer nur von sich selbst erzählen.

Das Dilemma der Gestaltung – aber im besonderen des Kommunikations-Designs – scheint nicht zu enden. Reflektion über Gestaltung, will ich immer plädieren! »Was kann Design leisten?« »Können wir aufhören nur über und zu ›unsereins‹ zu sprechen?« Denkt man an Designer, denkt man an Dienstleister – Geißeln der Werbeindustrie, exzentrische Selbstdarsteller oder die paar Wenige, die sich auf die moralische Arche des staatlich finanzierten Kulturbetriebs gerettet haben. Und anstatt immerfort zu versuchen dieses Dilemma aufzulösen oder zumindest zu zerstückeln, will ich einmal versuchen es einfach zu akzeptieren – nur für einen Moment – und den Blick davon ab und auf etwas anderes werfen, abseits des dem Design immanenten Zynismus.

Gerade denke ich mir, dass wahrscheinlich schon immer, die besseren Gestalter, die waren, die eigentlich oder zu allererst einer anderen Agenda gefolgt sind. Auch wenn das »Plakat um die Welt zu verbessern« natürlich ein abgedroschenes Bild ist, möchte ich besonders auf Gunter Rambow hinweisen. Im Kern, sind seine Entwürfe immer eine Position. Eine Aussage, ein Aufruf, eine Frage, ein sprachliches Spiel, die nicht zuerst mit »Design« zu tun haben, sondern einem anderen Ziel, sei es Emanzipation, Umweltschutz, Integration. Sein Design ist Werten verschrieben.

Auch ein Blick zurück in die Designgeschichte verrät Interessantes. »Die Welt als Entwurf«, Otl Aicher, die großen Design-Utopien des letzten Jahrhunderts. Das große Ganze denken und Design im Spiegel dessen praktizieren. Die Gestaltungsgrundsätze der Folgen der Ulmer Schule sind global heute zum reinen Verkaufsargument verkommen. Um bei Buchtiteln zu bleiben, und ein wenig aktueller zu werden, weniger utopisch: »Der Welt über die Straße helfen« von Peter Sloterdijk & Sven Voelker. Das fasst nach den Utopien des letzten Jahrhunderts den übrig gebliebenen Maximalwert von Design ganz gut zusammen. Was im Titel bleibt, ist der Verweis auf die Welt.

Und daraus erlaube ich mir jetzt einfach eine Überlegung zu formulieren. Vielleicht vergessen wir zu oft: Die Welt um uns ist das essenzielle, nicht der Anstrich, den wir ihr verpassen. Und deswegen sollte jeder »gute Designer« zuerst ein guter Bürger sein. Bürger im Sinne »Individuum, eingebettet in einem lebendigen organisiertem Organismus momentan genannt Staat, oder eben Staatsbürger. Und da es so schön klingt, und die Welt ja sowieso schon im Spiel war, warum nicht gleich Weltbürger? Damit meine ich nicht den Kosmopolit. Einfach einen im Denken über Nationalitäten hinausgehenden Menschen, der versucht einen offenen und umfassenden Blick auf eben seine Welt zu werfen. Eine Person, die sich um seine Welt Schwert, sich sorgt, und vielleicht auch ändern will. Eine Person, die weniger Design-Bilderbücher zu rate zieht, sondern vielleicht mehr Tageszeitungen, Literatur und Theorie, nicht über Farben und Schriften, sondern über Ökonomie, über Politik, über Philosophie, über Musik, über die Menschen, über die Geschichte… über die Welt eben.

Dann wird diese Person glaube ich viel leichter ihren Platz finden, in dem sie wirken kann. Und ganz nebenbei tritt sie dann vielleicht aus ihrem gemachten Bett aus Schrift und Bild heraus. Und setzt neue Impulse in dem was »Design« ist und sein kann.

Lange Voorhout Antiek Markt

Jeden Donnerstag und Sonntag ist an der Lange Voorhout in den Haag ein Antik- und Büchermarkt. Von kleinem Nippes bis Ständen mit sehr tollen und exklusivem altem Zeug ist alles dabei. Allein wegen der Standbesitzer ist ein Besuch da auch eine gute Idee. So eine hohe Zigarrendichte…
Mehr Bilder nach dem Sprung.
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Digital-Analoger VJ Workshop mit A-Gaeke

Am Dienstag gabs einen Workshop mit A-Gaeke: “Analoges” VJing. So ganz analog war’s nicht, aber ziemlich viel und vor allem war es ein riesen Spaß. AM morgens teilten wir uns in Gruppen auf und definierten in der Gruppe ein visuelles Thema. Aufgrund der unmengen an knallbunten Reinigungsutensilien, die A-Gaeke mitgebracht und zur verfügung gestellt hatten, hatten wir unser Thema sehr schnell. Ultra cheesy und spaßig: Carwash! Den meisten Tag experimentierten wir und suchten uns am Ende noch einen Track aus zu dem wir unsere Performance laufen lassen wollten. Zum Abschluss gab es dann die Performance von jeder Gruppe zu ihrem Song. A-Gaeke haben das ganze mitgefilmt und ein kleines Video daraus geschnitten; here you go:

A-GAEKE x WORKSHOP KABK 2012 from A-GAEKE ANALOG VJ TEAM on Vimeo.

Scheveningen im Endsommer

Heute habe ich es geschafft »endlich« (nach 3 Tagen Aufenthalt) an den Strand zu fahren. Vom Lorentzplein aus in die Tram 1 und ab in den Norden gen Küste. Vorbei an Holland Spoor, ab durch die Mitte durchs Zentrum, dann durchs Diplomatenviertel und den Weg nach Scheveningen! Direkt am Pier raus, pralle Sonne, super Wetter. Viele Touries, viele Deutsche. Bin da lange rumgewandert und hab den feinen Sand genossen, die salzige Luft und die Sonne inhaliert. Die Muscheln jedoch verfluche ich. Hier ein paar Bilder, die die lange Reise dokumentieren, oder so… alles nach dem klick!

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Jetzt aus Den Haag

Zack, da ich gerade in den Niederlanden bin und dort ein Auslandssemester an der Royal Academy of Art anfage, eignet sich dieser Blog doch prima um entstaubt zu werden und Ort für Austausch und Berichterstattung aus dem Fernen Lande der Niederen Länder zu sein.

Lekker!

Set Alight Köstritzer Voting

Da die Jungs alte Gefährten von mir sind und quasi meine fast ersten “Auftraggeber” mit verrückten Avant Gardistischen T-Shirt Entwürfen (…) und wir gemeinsam Tatsächlich Anfang März etwas sehr sehr schönes in den Startlöchern haben, hier eine Empfehlung und eine Bitte euch das mal anzuschauen und reinzuhören: Set Alight beim Köstritzer Echolot Wettbewerb!

Sie habens definitv verdient!

Latest tracks by SET ALIGHT

Meinung & Design; quasi Streitschrift

Mitte November tauchte in meinem Twitter Stream dieser Post von den Leuten von Grilli Type aus der Schweiz auf:

»Jan Tschichold wrote his famous book “Die neue Typographie” at age 26. Damn, we’re all slackers.«

Das hat sich in meinen Kopf gebrannt und lies mich nicht mehr los. Weniger der Aspekt, dass ich in drei Jahren ein Buch herausgebracht haben muss, sondern dass es revolutionär sein muss. Machen das Graphik Designer denn noch, etwas revolutionieren?

Ich glaube die große Individualisierung des letzten halben Jahrhunderts, die neuen handwerklichen Aspekte und vor allem die absolute Demokratisierung der Handwerksmittel und die daraus resultierende Prekarisierung des Berufes »Gestalter« haben den jungen Designstudent, der heute in den Hochschulen herumspaziert hervorgebracht. Worum geht es uns denn noch? Die Einen wollen in der fetten Werbung landen. Die Anderen? Bei einer tollen kleinen Agentur unter kommen? Die im Idealfall zwei Drittel der Zeit an Projekten mit Kulturinstitutionen und das andere Drittel an selbst initiierten Projekten, die auch irgendwie Kunst sind arbeiten? So oder so ungefähr ist es an den Vorbildern abzulesen.

Im Bereich des Web-Designs sind die Innovatoren bestimmt keine Design Studenten. Das sind entweder Informatiker, Autodidakten oder Dilettanten (im besten Wortsinn) für die das Web ein Medium ist, das Sie formen wollen und lernen. Es bildeten Sich eigene Berufsbilder, die von der Lehre momentan nicht abgedeckt werden. Denn wir lernen Bücher machen. Und Plakate. Das sollte eigentlich auch gar nicht schlimm sein, denn wenn man davon ausgeht, dass man im Studium Grundlagen beigebracht bekommt und dann mit Wissen interagieren lernt, ist die Transferleistung auf neue Bereiche eigentlich kein Problem.

Tatsächlich ist es doch aber so, dass »kreative« Designer  in die Bureaus pilgern und dann Jahre mit selbstreferenzieller bohemischer Arbeit zu Gange sind. Und dann wundern warum kein Ruck mehr durch die Designlandschaft geht? Die Industrie, viele Web-Design Kollegen und der Opa von nebenan fragen zu Recht, was man denn von einem Designstudium noch hat? Oder was die Welt davon hat. Was hat die Welt von einer Hochschulausbildung, die mit ihrer »Elite« nur sich selbst füttert? Was bewegt die Design-Avantgarde denn? Bücher über Bücher? Workshops überall mit Basteln und alten Kopierern? »Bahnbrechende« aleatorische Designansätze, die von John Cage schon ab den frühen 60ern formuliert wurden? Gestalter biedern sich in ihrer Haltung so sehr entweder der Werbeindustrie oder der Kunst, Musik und Mode an, dass persönliche Haltungen einfach nur noch als Selbstinszenierung konstruiert sind. Was fehlt ist Selbstreflexion! Und Meinungen.

Nie zuvor in unserer Geschichte waren Distributionsmittel einfacher zugänglich. Nie zuvor waren die Menschen so direkt verknüpft. Und was passiert? Designer wenden sich sich selbst zu, beschweren sich über dumme Kunden und verkaufen limitierte Heftchen an sich selbst, die niemand lesen wird. Nicht mal sie selbst.

Füllt diese Seiten doch mit Inhalt. Raus aus den Meta-Ebenen, raus aus den Kommentaren und Zitaten. Was wollt ihr tun und warum? Was wollt ihr sagen? Und wie? Erklärt es euch. Erklärt es uns. Und um Meinungen zu entwickeln braucht man Wissen, also hört auf »inspirierende« Datenhalden anzuhäufen und schaut euch Originale an, lest Theorie, erfahrt Meinungen und dann zeigt der Welt dass es einen Sinn hat, Gestalter auszubilden.

Und wenn du hier angekommen bist, danke für deine Aufmerksamkeit.

Deisgnblast 2011 — Recap

Also gestern war ja bekanntlich in Karlsruhe die Designblast 2011 mit dem Thema Toys, Tricks and Tools. Die HfG in Karlsruhe ist räumlich gesehen schon einfach super und ein großes Lob auch an alle, die das organisiert haben—ohne großes Tam Tam, aber trotzdem mit dem Flair eines wirklichen Symposiums (oder was auch immer). Da ich im letzten Veranstaltungsreview alles zusammengefasst habe und dann nicht dazu gekommen bin meine Gedanken dazu zu fassen, mach ich es jetzt anders.

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Flohmarktbibliothek: Ways of Seeing

Cover von Ways of SeeingLetzte Woche in London hatte ich das Glück auf dem Spitalfields Market einen Stand mit antiquarischen Penguin Büchern zu entdecken. Eigenltich war ich auf der Suche nach The Medium is the Massage in einer alten Orginalausgabe, hatte er aber leider nicht da. Stattdessen konnte ich mir »nur« John Bergers Ways of Seeing in der 7. Auflage von 1979 schnappen.

Ways of Seeing ist 1973 entstanden und dem Buch ging eine vier teilige Fernsehserie voraus und kritisiert sehr weit gefasst unsere westeuropäische Ästhetik und hinterfragt versteckte Ideologien in visuellen Medien.
Die Serie kann man heutzutage auf Youtube noch ansehen.

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Film über Adrian Frutiger auf Youtube

Auf Youtube kann man derzeit eine Biografie über Adrian Frutiger in Spielfilmlänge anschauen. Wer Adrian Frutiger ist erklär ich hier jetzt einfach nicht.

Bitteschön:

via Fontblog 

Sharon Ann Lee über Glück und Erfolg

Gerade habe ich einen sehr tollen Vortrag von Sharon Ann Lee auf einem CreativeMorning in Los Angeles angeschaut. Es ging darin um das Konzept von »Design Your Own Success« und wie in so vielen Tipps, darum auch Aufträge abzulehnen oder Klienten für mehr Freiraum gehen zu lassen. Der Ausgangspunkt war jedoch ein viel Grundlegender und auch wenn man das alles schon einige male gehört hat, hat sie es sehr gut dargestellt und vor allem aus einer persönliches Sicht — und mit Humor.

Das Diagramm was ihr oben seht ist aus der Präsentation und ist wirklich einfach und nicht neu. Aber es macht wirklich Sinn, sich einfach hinzusetzen und alle Projekte und Jobs an denen man so Arbeitet, einfach mal zu verorten. Und dann kann man sich fragen ob man okay ist, damit wo dieser Auftrag steht, ob er nicht in einen anderen Quadranten bewegt werden könnte und was ich dafür tun muss und kann.

Der ganze Vortrag ist gut und kann man sich gut mal in ein paar ruhigen Minuten anhören!

 

Bericht: First Issue — Dead or Alive?!

Ganz untypisch ist hier in Frankfurt gerade richtig was los, Buchmesse natürlich und vor allem Freitag und Samstag die hier zuvor angekündigte Messe »First Issue: Dead or Alive?!«. In den letzten beiden Tagen gab es in der Basis in der Gutleutstraße zum Einen eine Ausstellung einiger Klein(st)-Verlage und zum Anderen eine Reihe interessanter Vorträge. Ich werde die Vorträge einfach mal kurz zusammenfassen. und danach meine Gedanken zu dem ganzen ausführen, also Achtung, viel Text. Meine Gedanken oder sonstwas wurden in einen extra Beitrag verschoben, denn so kurz ist die Zusammenfassung nicht.
Achtung, viel Text bleibt!

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Über mich

Ich bin Jan Aulbach, ein Gestalter, Student aus Darmstadt in Hessen, wo ich lebe und arbeite.

Zu den Dingen, die mich interessieren zähle ich gute Typografie, schöne gedruckte Dinge wie Bücher und Zeitschriften und Fehler in Systemen.

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