Lettern unterwegs

Ich bin doch »ein klein wenig« Schrift-Fanatiker, und sammle hie und da im wörtlichen Sinne merkwürdige und eigensinnige Schriften, die mir unterwegs begegnen. Diese sind zumeist aus einer Zeit in der Schrift noch nicht vor allem ein kleines Stückchen Software namens »Font« war. Die Beispiele die ich sammle sind hauptsächlich Beschilderungen von Geschäften und Ähnlichem, Straßenschilder oder liebenswerte Formen des Dilettantismus (im besten Sinne des Wortes). Ein kleines bisschen Perfektions-Eskapismus aus der digitalen Welt, muss sein.

Ab wann darf ich etwas sagen? – Erste Skizze

Freiheit

Ab wann darf ich etwas sagen? Eine Frage, die mich jetzt seit einiger Zeit umtreibt. Sie scheint banal und wer sie stellt wirkt vor eingeschüchtert, klein. Ich selbst will mir darauf Antworten: »Na jetzt! Mach einfach den Mund auf!«. Aber irgendwie ist diese Frage an das Selbst vielschichtiger und bis jetzt nicht so einfach zu beantworten gewesen, wie ich es mir erhofft hatte, als ich sie mir stellte. Es liegt wohl unter Anderem daran, dass sie so offen ist. Wenn man sie allerdings de-konstruiert und genau anschaut, erblickt man sehr viel, dass hinter der Alltagssprache steht.

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Ein Blick jenseits des Dilemmas

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Ständig greife ich mir an den Kopf und wundere mich, was wir da machen (»wir« = Gestalter, Designer). Unmengen an Stilen, visuelle Sprachen/Dialekten, die sich zitieren, unterwandern, mit sich kokettieren, sich nicht so ernst nehmen, den Betrachter auf die Schippe nehmen, ganz individuell sein wollen und dabei im Ende immer nur von sich selbst erzählen.

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Digital-Analoger VJ Workshop mit A-Gaeke

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Am Dienstag gabs einen Workshop mit A-Gaeke: “Analoges” VJing. So ganz analog war’s nicht, aber ziemlich viel und vor allem war es ein riesen Spaß. AM morgens teilten wir uns in Gruppen auf und definierten in der Gruppe ein visuelles Thema. Aufgrund der unmengen an knallbunten Reinigungsutensilien, die A-Gaeke mitgebracht und zur verfügung gestellt hatten, hatten wir unser Thema sehr schnell. Ultra cheesy und spaßig: Carwash! Den meisten Tag experimentierten wir und suchten uns am Ende noch einen Track aus zu dem wir unsere Performance laufen lassen wollten. Zum Abschluss gab es dann die Performance von jeder Gruppe zu ihrem Song. A-Gaeke haben das ganze mitgefilmt und ein kleines Video daraus geschnitten; here you go:

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Scheveningen im Endsommer

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Heute habe ich es geschafft »endlich« (nach 3 Tagen Aufenthalt) an den Strand zu fahren. Vom Lorentzplein aus in die Tram 1 und ab in den Norden gen Küste. Vorbei an Holland Spoor, ab durch die Mitte durchs Zentrum, dann durchs Diplomatenviertel und den Weg nach Scheveningen! Direkt am Pier raus, pralle Sonne, super Wetter. Viele Touries, viele Deutsche. Bin da lange rumgewandert und hab den feinen Sand genossen, die salzige Luft und die Sonne inhaliert. Die Muscheln jedoch verfluche ich. Hier ein paar Bilder, die die lange Reise dokumentieren, oder so… alles nach dem klick!

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Jetzt aus Den Haag

Zack, da ich gerade in den Niederlanden bin und dort ein Auslandssemester an der Royal Academy of Art anfage, eignet sich dieser Blog doch prima um entstaubt zu werden und Ort für Austausch und Berichterstattung aus dem Fernen Lande der Niederen Länder zu sein.

Lekker!

Meinung & Design; quasi Streitschrift

Mitte November tauchte in meinem Twitter Stream dieser Post von den Leuten von Grilli Type aus der Schweiz auf:

»Jan Tschichold wrote his famous book “Die neue Typographie” at age 26. Damn, we’re all slackers.«

Das hat sich in meinen Kopf gebrannt und lies mich nicht mehr los. Weniger der Aspekt, dass ich in drei Jahren ein Buch herausgebracht haben muss, sondern dass es revolutionär sein muss. Machen das Graphik Designer denn noch, etwas revolutionieren?

Ich glaube die große Individualisierung des letzten halben Jahrhunderts, die neuen handwerklichen Aspekte und vor allem die absolute Demokratisierung der Handwerksmittel und die daraus resultierende Prekarisierung des Berufes »Gestalter« haben den jungen Designstudent, der heute in den Hochschulen herumspaziert hervorgebracht. Worum geht es uns denn noch? Die Einen wollen in der fetten Werbung landen. Die Anderen? Bei einer tollen kleinen Agentur unter kommen? Die im Idealfall zwei Drittel der Zeit an Projekten mit Kulturinstitutionen und das andere Drittel an selbst initiierten Projekten, die auch irgendwie Kunst sind arbeiten? So oder so ungefähr ist es an den Vorbildern abzulesen.

Im Bereich des Web-Designs sind die Innovatoren bestimmt keine Design Studenten. Das sind entweder Informatiker, Autodidakten oder Dilettanten (im besten Wortsinn) für die das Web ein Medium ist, das Sie formen wollen und lernen. Es bildeten Sich eigene Berufsbilder, die von der Lehre momentan nicht abgedeckt werden. Denn wir lernen Bücher machen. Und Plakate. Das sollte eigentlich auch gar nicht schlimm sein, denn wenn man davon ausgeht, dass man im Studium Grundlagen beigebracht bekommt und dann mit Wissen interagieren lernt, ist die Transferleistung auf neue Bereiche eigentlich kein Problem.

Tatsächlich ist es doch aber so, dass »kreative« Designer  in die Bureaus pilgern und dann Jahre mit selbstreferenzieller bohemischer Arbeit zu Gange sind. Und dann wundern warum kein Ruck mehr durch die Designlandschaft geht? Die Industrie, viele Web-Design Kollegen und der Opa von nebenan fragen zu Recht, was man denn von einem Designstudium noch hat? Oder was die Welt davon hat. Was hat die Welt von einer Hochschulausbildung, die mit ihrer »Elite« nur sich selbst füttert? Was bewegt die Design-Avantgarde denn? Bücher über Bücher? Workshops überall mit Basteln und alten Kopierern? »Bahnbrechende« aleatorische Designansätze, die von John Cage schon ab den frühen 60ern formuliert wurden? Gestalter biedern sich in ihrer Haltung so sehr entweder der Werbeindustrie oder der Kunst, Musik und Mode an, dass persönliche Haltungen einfach nur noch als Selbstinszenierung konstruiert sind. Was fehlt ist Selbstreflexion! Und Meinungen.

Nie zuvor in unserer Geschichte waren Distributionsmittel einfacher zugänglich. Nie zuvor waren die Menschen so direkt verknüpft. Und was passiert? Designer wenden sich sich selbst zu, beschweren sich über dumme Kunden und verkaufen limitierte Heftchen an sich selbst, die niemand lesen wird. Nicht mal sie selbst.

Füllt diese Seiten doch mit Inhalt. Raus aus den Meta-Ebenen, raus aus den Kommentaren und Zitaten. Was wollt ihr tun und warum? Was wollt ihr sagen? Und wie? Erklärt es euch. Erklärt es uns. Und um Meinungen zu entwickeln braucht man Wissen, also hört auf »inspirierende« Datenhalden anzuhäufen und schaut euch Originale an, lest Theorie, erfahrt Meinungen und dann zeigt der Welt dass es einen Sinn hat, Gestalter auszubilden.

Und wenn du hier angekommen bist, danke für deine Aufmerksamkeit.

Flohmarktbibliothek: Ways of Seeing

Cover von Ways of SeeingLetzte Woche in London hatte ich das Glück auf dem Spitalfields Market einen Stand mit antiquarischen Penguin Büchern zu entdecken. Eigenltich war ich auf der Suche nach The Medium is the Massage in einer alten Orginalausgabe, hatte er aber leider nicht da. Stattdessen konnte ich mir »nur« John Bergers Ways of Seeing in der 7. Auflage von 1979 schnappen.

Ways of Seeing ist 1973 entstanden und dem Buch ging eine vier teilige Fernsehserie voraus und kritisiert sehr weit gefasst unsere westeuropäische Ästhetik und hinterfragt versteckte Ideologien in visuellen Medien.
Die Serie kann man heutzutage auf Youtube noch ansehen.

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Design denken: Geschichte, Theorie, Kritik im WWW

Da im besten Fall Design nicht nur aus Dinge “Hübsch-Machen” besteht, ist es auf jeden Fall wichtig sich Grundwissen über Geschichte und Theorie von Gestaltung anzueignen. Wenn man aktuelles Grafikdesign betrachtet wird man neben den Einflüssen der technischen Änderungen auf jeden Fall immer Bezüge, Kopien, Hommagen und Referenzen zu schon da Gewesenem finden. Und zu wissen welche Bezüge das sind, bringt einen in die Position nicht nur auf Moden zu reagieren sondern das Dahinterliegende zu verstehen, anzuwenden, oder einfach damit machen zu können was man eben will.

Da ich Bücher sehr gerne mag, aber die Öffnungszeiten unserer Bücherei zum Beispiel eher nicht so gerne, nehme ich dort viel zu wenig Literatur und Theorie mit. Außerdem interessiert ich auch wie der aktuelle Blick auf Designgeschichte aussieht oder auch wie international beispielsweise Ulmer Gestlatungsprinzipien gesehen werden. Deswegen hab ich im hier einfach ein paar Seiten vorgestellt, die ich öfter besuche für Informationen und Inspiration, die über den täglichen fffffound, tumblr, was-auch-immer Bilderbrei hinausgehen.

 

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Zu einem offenen Brief an Designstudenten

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Dieser Artikel auf Design Assembly hat mich dazu gebracht ihn komplett durch zu lesen — was in anbetracht der Tatsache, dass Design Assembly irgendwie die leseunfreundlichste Seite der Welt hat sehr überraschend ist!

Es ist ein kleiner Aufruf in dem Bereich zu Arbeiten in dem man sich wohl fühlt, oder das zumindest nie zu vergessen. Er mahnt davor, dass sich Designstudenten nicht darin verrennen sollen immer mit HTML, CSS, Social Media und dem Geist der Zeit auf Augenhöhe zu sein, sondern auch und vor allem das tun sollen was ihnen ihr Herz sagt.

Natürlich erstmal ziemlich kitschig das ganze, aber ich finde es ist eine ziemlich richtige Kernaussage, auch einfach aus diesem Grund: Was unterscheidet am Ende jemanden der 4 Jahre lang im Rahmen einer Hochschule Kommunikationsdesign — oder noch weiter gefasst Visuelle Kommunikation studiert hat von jemandem der mit viel Ambitionen vielleicht aus einer Mediengestaler Ausbildung oder als Quereinsteiger in dieser Industrie arbeitet? Wie positioniere ich mich als junger Gestalter in dieser Hinsicht? Der Großteil der neuen kleinen Agenturen arbeitet digital und in vielen Schulen ist einfach diese Aktualität, dieses am Zahn der Zeit sein nicht gegeben. Also doch lieber Digitales Selbststudium? Ja und nein und vor Allem mehr als das.

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